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7.5 Vererbte Formatvorlagen ← Textverarbeitungen

7.5 Vererbte Formatvorlagen

Sowohl Absatzvorlagen als auch Zeichenvorlagen sind hierarchisch strukturiert.  Das bedeutet, dass sie aufeinander aufbauen können.  Dadurch können die Einstellungen einer Vorlage (und Änderungen daran) sich auf andere Vorlagen auswirken.  Wir können das nutzen, um mit einer einzelnen kleinen Änderung an der Vererbungsstruktur zahlreiche Änderungen am Aussehen des Textes zu erzeugen.  So kann beispielsweise ein Dokument als Manuskript im Normseitenformat geschrieben werden und durch eine kleine Änderung in ein Format für ein Taschenbuch gewandelt werden (d. h. andere Schrift, andere Absatzformatierung usw.).  Eine ähnlich kleine Änderung wandelt es wieder zurück ins Normseitenformat.

Um das zu erreichen, sind einige Schritte notwendig:

  1. Wir erzeugen zwei verschiedene Basis-Vorlagen für unsere Absätze, z. B. Normseite und Taschenbuch.
    Dafür rechtsklicken wir auf der Seitenleiste Formatvorlagen (Reiter Absatzvorlagen, also linkes Icon) und wählen Neu… aus dem Kontextmenü aus.  Im Reiter Verwalten stellen wir den Namen (Normseite oder Taschenbuch) ein und wählen bei Basierend auf: den Eintrag –Keine– aus dem Drop-Down-Menü.
  2. In der Absatzvorlage Normseite stellen wir alles ein, das für eine Normseite richtig ist, also
    1. Schriftart Courier New,
    2. Schriftgröße 12pt,
    3. linksbündig,
    4. Einzug erste Zeile 7,5mm,
    5. Zeilenabstand 1,5-fach,
    6. Abstände zwischen den Absätzen 0mm,
    7. Schusterjungen- und Hurenkinderregelung abschalten,
    8. Silbentrennung abschalten.
  3. In der Absatzvorlage Taschenbuch stellen wir alles ein, das wir in einem Taschenbuch (in etwa) erwarten würden, also
    1. Schriftart Times New Roman,
    2. Schriftgröße 16pt,*
    3. Blocksatz,
    4. Einzug erste Zeile 5mm,
    5. Zeilenabstand 1,15-fach,
    6. Abstände zwischen den Absätzen 0mm,
    7. Schusterjungen- und Hurenkinderregelung einschalten,
    8. Silbentrennung einschalten.
  4. Wir erzeugen eine dritte Absatzvorlage namens Variabel und lassen sie auf einer der beiden neu erzeugten basieren, d. h. im Reiter Verwalten wählen wir bei Basierend auf: den Eintrag Normseite oder Taschenbuch aus.
  5. Wir ändern die Absatzvorlagen Überschrift 1 bis 3 (die wir für Band, Teil und Kapitel verwenden) so, dass sie auf Variabel basieren.

* 16pt scheint vielleicht viel zu groß, doch da wir noch immer auf DIN-A4-Seiten formatieren, Taschenbücher aber eher im DIN-A5-Format sind, wäre das eine entsprechende Größe – wir wollen ja nur den optischen Eindruck eines Taschenbuchs auf dem Bildschirm erzeugen.  Für ein echtes Taschenbuch müssten wir sowohl Schriftart als auch Seiten kleiner skalieren.


Ein auf diese Weise mittels Vererbung und abstrakter Formatierung erzeugtes Dokument kann sowohl im Manuskript-Format als auch im Taschenbuch-Format bearbeitet werden.  Um zwischen den beiden Formaten hin- und herzuschalten, muss nur die Basierend auf:-Einstellung der Absatzvorlage Variabel geändert werden.  Überschriften und Text werden dadurch automatisch geändert.

Diesen Wert kann man auch einfach dadurch ändern, dass man die Absatzvorlage Variabel in der Seitenleiste mittels Drag-and-drop unter die jeweils andere Basis-Vorlage verschiebt.  Das Umformatieren ist damit eine Sache von Sekundenbruchteilen.


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7.4 Abstrakte Zeichenformatierung ← Textverarbeitungen

7.4 Abstrakte Zeichenformatierung

Während die Formatierung von Absätzen mittels Vorlagen noch recht weit verbreitet und bekannt ist, ist dasselbe Prinzip bei Zeichen weniger bekannt.  Es existiert jedoch analog bietet dieselben Vorteile.  Bei Manuskripten sollte es für kursive Textteile verwendet werden, da man so schnell für alle kursiven Stellen auf einmal ändern kann, ob diese z.B. auch unterstrichen dargestellt werden sollen (siehe 5.2.7 Kursiv im Abschnitt über das Normseitenformat), falls ein Verlag oder Lektor besondere Anforderungen stellt.

Um diese abstrakte Form der Zeichenformatierung zu nutzen, markiert man den entsprechenden Textabschnitt und wählt im Menü Vorlagen → Betont aus (ALT-r b).

Die Zeichenvorlage Betont ist standardmäßig auf kursiv eingestellt.  Um das zu ändern (z. B. unterstrichen hinzuzufügen), wählt man Vorlagen → Formatvorlagen verwalten aus.  Daraufhin erscheint die Seitenleiste Formatvorlagen (meist rechts vom Text).  Dort wählt man das zweite Icon von Links aus, das für Zeichenvorlagen steht.  Betont taucht in der darunterstehenden Liste auf.  Um es zu ändern, rechtsklickt man darauf und wählt Ändern… aus dem Kontextmenü.  Im sich dann öffnenden Dialog kann man im Reiter Schrifteffekte eine Unterstreichung einstellen.  Alle Texte, die die Zeichenvorlage Betont benutzen, werden dann unterstrichen dargestellt.


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5.3 Normseitenformat, spezieller ← Die Normseite

5.3 Normseitenformat, spezieller

5.3.1 Szenenwechsel

Wie unter 1.2 Szenenwechsel beschrieben, ist es manchmal erforderlich, einen Szenenwechsel für den Leser optisch erkennbar zu machen, indem man einen großen Absatz einfügt.  Sollten Szenenwechsel auf den Normseiten nur mit einer Leerzeile markiert werden, sind sie sehr unscheinbar und können übersehen werden, wenn sie direkt auf einen Seitenwechsel fallen.  Eine Seite beginnt oder endet dann mit einer Leerzeile.

Sofern Szenenwechsel mit einem Zeichen (z. B. einem einzelnen zentrierten Sternchen) markiert sind, ist dies weitgehend ausgeschlossen.  Unabhängig davon, wie dies später im Druck vom Setzer umgesetzt wird – d. h. mit oder ohne Zeichen im großen Absatz und unabhängig davon, welches Zeichen gewählt wird –, sollte auf Normseiten immer ein Zeichen einen Szenenwechsel markieren.

Dieses Zeichen sollte einmal gewählt und dann konsistent verwendet werden.

5.3.2 Kopf- und Fußzeilen

Die Kopf- und Fußzeilen jeder Normseite sollten sich gleichen und immer folgende Informationen enthalten:

  • Von der Autorin / dem Autor:
    • Name
    • E-Mail-Adresse
    • URL der Webseite (sofern vorhanden)
    • Telefonnummer
  • Name des Werkes
  • Seitenzahl

Das konkrete Layout ist nicht festgelegt (also welche Informationen in der Kopf- und welche in der Fußzeile stehen), ebenso ob sie rechts, links oder zentral stehen sollte.

Da Werktitel aus Verlagssicht ein Marketingmittel sind, werden die endgültigen Versionen erst spät gewählt und stehen demnach lange Zeit nicht fest.  Was auch immer man auf den Normseiten diesbezüglich notiert, ist also als vorläufig anzusehen.  Aus diesem Grund gibt es den Rat, den vorläufigen Titel nur in der Fußzeile zu notieren, um ihn so möglichst unaufdringlich zu halten.

5.3.3 Schusterjungen & Hurenkinder (Orphans & Widows)

Im Buchdruck ist es üblich, durch einen Seitenumbruch entstehende einzelne Zeilen eines Absatzes zu vermeiden.  Solche einzelnen Zeilen werden Schusterjunge (letzte Zeile eines Absatzes vereinzelt am oberen Seitenrand) oder Hurenkind (erste Zeile eines Absatzes vereinzelt am unteren Seitenrand) genannt.

Diese sonst übliche Vermeidung von Schusterjungen und Hurenkindern ist auf Normseiten nicht erwünscht, da sich sonst Leerzeilen ergeben würden.  In Textverarbeitungen muss man also diese Standardeinstellungen entsprechend ändern.

5.3.4 Fußnoten

Es gibt keine Norm für Fußnoten.  Der einfachste Weg ist, sie genauso zu verwenden, wie man sie in anderen Dokumenten verwenden würde, dann erscheinen sie am unteren Seitenrand.

Man kann sie allerdings auch als Endnoten formatieren, dann erscheinen sie gesammelt am Ende des jeweiligen Kapitels, Teils oder Bandes.

Und es ist auch möglich, sie in der Normseite im fortlaufenden Text einzubauen (analog zu LATEX).

Im Zweifel fragt man am besten den Empfänger des Dokuments, welche Formatierung bevorzugt wird.  Ist das nicht zu ermitteln, ist die erstgenannte Variante (als normale Fußnoten) am sichersten.

Fußnoten in Erzählungen sind generell nicht sehr weit verbreitet, insofern sollte man darauf verzichten, seinen Text damit zu überfrachten.

5.3.5 Graphiken

Normseiten sind nur für Text gedacht.  Graphiken, die zum Werk gehören (Landkarten, Diagramme, Tabellen usw.) müssen ihren Weg zum Empfänger auf andere Weise finden, z. B. in einer anderen Datei.

Im Zweifel fragt man am besten den Empfänger, was dort gewünscht wird.


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5.2 Normseitenformat, grundsätzlich ← Die Normseite

5.2 Normseitenformat, grundsätzlich

Normseiten stammen aus der Ära der Schreibmaschinen, entsprechend schlicht ist ihr Aufbau.

5.2.1 Einseitig

Normseiten sind im Format DIN-A4 und werden nur einseitig bedruckt.  500 Seiten entsprechen also auch 500 Blättern Papier.  Zum Glück werden sie heute aber nur selten tatsächlich ausgedruckt.  Dennoch sollte man auch seine Dateien entsprechend formatieren.

Festbreitenschriften
Festbreitenschriften

5.2.2 Schriftart

Es wird eine Festbreitenschrift genutzt, die der von Schreibmaschinen ähnlich ist.  Der Klassiker ist Courier New, aber auch andere Schriften mit fester Breite pro Buchstaben (z. B. Liberation Mono) sind geeignet.

Nicht geeignet sind Proportionalschriften, bei denen die Zeichen unterschiedliche Breite haben.

5.2.3 Zeilen pro Seite

Jede Normseite hat maximal 30 Zeilen Text.  Durch Überschriften und Abstände können es auch auf einzelnen Seiten mal weniger sein.  Die Seiten, auf denen nur fortlaufender Text ist, sollten aber 30 Zeilen haben.  Das erreicht man gut bei einer Schriftgröße von 11 oder 12 pt und 1,5-fachem Zeilenabstand.

5.2.4 Zeichen pro Zeile

Jede Zeile auf der Normseite enthält maximal 60 Zeichen, wobei auch Leerzeichen mitgezählt werden.  Dadurch ergibt sich, dass die Normseite maximal 30 × 60 = 1800 Zeichen enthalten kann, die alle linksbündig formatiert werden.

5.2.5 Keine Silbentrennung

Auf Normseiten findet keine Silbentrennung statt.  Lange Wörter können dadurch zu relativ kurzen Zeilen führen.  In der Konsequenz sagt man, dass eine Normseite durchschnittlich nur etwa 1500 Zeichen enthält.

5.2.6 Absätze

Absätze haben keinen Abstand zueinander.  Die erste Zeile jedes Absatzes hat einen Einzug von drei Zeichen (manche bevorzugen zwei).  Wie oben schon erwähnt, werden alle Absätze linksbündig und ohne Silbentrennung formatiert.

5.2.7 Kursiv

In vielen Erzählungen kommen kursive Texte vor (z. B. zur Betonung oder um Gedanken darzustellen).  Diese werden auch im Manuskript kursiv gesetzt.

»Ich werde nicht in die Schule gehen!«

Nur kursiv gestellte Zeichen können schnell übersehen werden, besonders, wenn nur Wortteile kursiv gesetzt sind:

»Wir wollten ihn umfahren, nicht umfahren!«

Um das zu vermeiden und sie besser deutlich zu machen, kann man Kursives auf Normseiten auch noch unterstreichen:

»Wir wollten ihn umfahren, nicht umfahren!«

5.2.8 Spezielle Zeichen

Einige Zeichen müssen auf Normseiten speziell beachtet werden.

  • Auslassungspunkte

    Das Zeichen »…« (siehe 2.4.3 Auslassungspunkte) sieht in einer Festbreitenschrift nicht unbedingt so aus, wie man das gewohnt ist (so … zum Beispiel).  Das kann als störend empfunden werden, daher können auf Normseiten dafür auch drei einzelne Punkte genutzt werden (so ... zum Beispiel).

    Die Verwendung des korrekten Zeichens () ist aber vorzuziehen.

  • Lange Striche

    Die längeren Striche, die als Gedankenstriche eingesetzt werden (siehe 2.3.2 Der lange Strich), sind in Festbreitenschriftarten optisch kaum von den kürzeren Strichen (Bindestriche usw.) zu unterscheiden ( und -).

    »Ich habe bestanden, nicht ver–«

    Ein Knall unterbrach ihn.

    Um Missverständnisse zu vermeiden, können daher auf Normseiten auch doppelte kurze Striche als Ersatz für die Halbgeviertstriche gesetzt werden (-⁠-).

    »Ich habe bestanden, nicht ver--«

    Ein Knall unterbrach ihn.

    Auch hier ist das korrekte Zeichen () wieder vorzuziehen.

  • Alle anderen Zeichen (siehe 2.1 Typographiesollten typographisch korrekt verwendet werden, d. h. „ “ statt " " und statt ' usw.

Nächster Abschnitt:  5.3 Normseitenformat, spezieller

5 Normseite

5 Die Normseite

5.1 Verwendung

Im Literaturbusiness wird von denen, die längere Texte verfassen, erwartet, dass sie diese auf Normseiten einreichen.  Das hat zum einen Tradition, die bis weit in die Schreibmaschinenzeit zurückreicht.  Wer häufig fremde Texte lektoriert oder korrigiert (siehe 8 Überarbeiten), ist an dieses Format gewöhnt.  Zum anderen hat es auch handfeste praktische Gründe, dieses Format einzuhalten:

  • Bearbeitungskosten (Lektorat, Korrektorat) werden (oft) basierend auf der Anzahl der Normseiten kalkuliert.
    Bei nicht genormten Seiten kann pro Seite mehr oder weniger Text vorhanden sein, ein Roman von 500 Normseiten Länge hat bei einem anderen Seitenlayout vielleicht nur noch 320 Seiten Länge.  Der Bearbeitungsaufwand ist dadurch aber nicht geschrumpft.
  • An der Anzahl der Normseiten kann man erkennen, ob ein Werk schon allein aufgrund des Umfangs in ein Verlagsprogramm oder Genre passt.
    Ein Liebesroman von 850 Normseiten Länge wird es schwer haben.  Ebenso wird ein Verlag ein Buch mit 230 Normseiten Länge nicht in einer Reihe für epische Fantasy unterbringen.
  • Auf einer Normseite ist genügend Platz, um Kommentare unterzubringen.
    Das war vor allem früher relevant, als noch vorrangig auf Papier und mit dem Rotstift korrigiert und lektoriert wurde.  Doch auch heute, wo diese Arbeitsschritte meistens am Computer erfolgen, wird es schnell unübersichtlich, wenn sich pro Seite zu viele Kommentare tummeln.

Wofür wird die Normseite verwendet?  Das ergibt sich aus den oben genannten Zwecken:

  • Immer, wenn ein Lektorat und/oder Korrektorat erfolgen soll.
  • Immer, wenn etwas an seinem Umfang gemessen werden soll.

Wenn etwas einfach nur gut lesbar sein soll, kann man Normseiten verwenden, man muss aber nicht, und bei einigen Dingen sind sie eher unüblich.

5.1.1 Manuskript, Leseprobe, Exposé?

Ein Manuskript ist das Paradebeispiel für die Verwendung der Normseite.  Manuskripte werden immer in Normseiten formatiert.


Eine Leseprobe ist ein Auszug aus einem Manuskript, und in aller Regel wird diese demnach auch in Normseiten formatiert.  Allerdings wird eine Leseprobe selten auf ihre Länge hin bewertet, und wenn es um eine Bewerbung eines Werkes bei einem Verlag oder einer Agentur geht, erfährt sie in der Regel auch weder Korrektur noch Lektorat.  Dennoch dürften die typischen Empfänger (Verlagslektoren usw.) das Normseitenformat für diese Art Text so gewohnt sein, dass sie nichts anderes erwarten werden.


Ein Exposé (siehe 6.1 Das Exposé) hingegen ist Teil der Bewerbung des Werkes, nicht Teil des Werkes selbst.  Es muss nur gut lesbar sein, eine Formatierung als Normseiten ist bei ihm nicht notwendig.  Dasselbe gilt für jede Art von Anschreiben, für die Vita des Autors, für Figurenaufstellungen für Weltenbeschreibungen und ähnliche Erläuterungen zum Werk und für Pitches, Klappentexte oder Teaser.

Andererseits werden bei Exposés oft konkrete Längen gefordert (z. B. Inhaltsangabe auf nicht mehr als zwei Seiten), dann sind mit Seiten immer Normseiten gemeint.  Die Formatierung in Normseiten kann dann also wieder sinnvoll sein.


Im Zweifel sollte man sich immer fragen:  Erfüllt die Normseite hier einen der oben genannten Zwecke?  Wenn ja, dann sollte man sie verwenden.  Wenn nein, kann man auch anders (gefälliger) formatieren.  Wenn man sich unsicher ist, ist die Normseite aber nie verkehrt.


Nächster Abschnitt:  5.2 Normseitenformat, grundsätzlich