Posts mit dem Label Figurenaufstellung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Figurenaufstellung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

6.1.3 Andere Teile ← Exposé ← Bewerbung

6.1.3 Andere Teile

Neben der Inhaltsangabe können noch genretypische Teile dem Exposé beigefügt sein.  Für alle gilt generell, dass sie dem Verkauf des Manuskripts dienen sollen.  Sie sollen informieren und bewerben.

Figurenliste (Figurenaufstellung, Charakterliste, Charakteraufstellung)

Oft wird eine Aufstellung der wichtigsten Figuren (Charaktere) der Geschichte verlangt.  Dann sollte man den oder die Protagonisten, den Antagonisten und ein oder zwei der wichtigsten Nebenfiguren aufzählen und jeweils kurz charakterisieren.  Hier liegt die Betonung auf kurz.

Allerdings sollte das Wesentliche genannt werden, das für die Geschichte am bedeutendsten ist.  Dass der Kommissar des Krimis eine schwere Kindheit hatte, in Bremen zur Schule und in München auf die Polizeischule gegangen ist, kann im Roman vorkommen; in der Figurenbeschreibung sollte vorrangig stehen, dass er inzwischen unter großem Druck durch seinen Vorgesetzten steht, weil er bei den letzten Ermittlungen schon viel Mist gebaut hat.  Nur wenn seine Kindheit essenziell für die Handlung ist, sollte sie auch in der Figurenbeschreibung Erwähnung finden.

Wichtig ist, dass die Figuren interessant erscheinen.  Wenn man beim Schreiben dieses Teils des Exposés merkt, dass eine (relevante) Figur keine interessanten Eigenschaften hat, weil sie schlicht zu flach ist, sollte man das Manuskript noch einmal entsprechend überarbeiten.

Fantasy & Science-Fiction

Speziell bei den Genres Fantasy und Science-Fiction kommen Dinge vor, die der Leser nicht kennt, und oft basiert die Handlung auch darauf, sodass diese Dinge auch wichtig für das Verständnis werden.

Man kann sie dann in die Handlungsbeschreibung einfließen lassen, doch oft wird das dann ein Infodump (siehe 4.6.4 Infodump), der sich auch im Exposé nicht gut macht.  Wenn nach einem Drittel der Handlung plötzlich der jetzt notwendig gewordene informative Einschub zum Thema Weltenaufbau kommt, reißt das auch hier den Leser (Verlagslektor) aus der Geschichte.

Tradir reist mit dem heiligen Schwert der Anagaren zu den Rindorfin, wo er als Surkitan freundlich empfangen wird, weil die Surkitan den Rindorfin vor einigen Generationen im Krieg gegen die Anagaren halfen. Die Anagaren sind in Bergen lebende Zwerge, und die Rindorfin auf den Bergen lebende Gnome. Ohne die Hilfe der Surkitan (eine Art kleinwüchsiger Dunkelelfen) hätten die Rindorfin nie den Kampf in den Höhlen gewinnen können.

Besser ist es dann, den Fakt, dass etwas erklärt werden muss, offen zu akzeptieren und die notwendigen Informationen an anderer Stelle gesammelt zu präsentieren, um so die Handlungsbeschreibung zu entlasten.

Anagaren: Zwerge, die in prächtigen Höhlen in den Bergen leben.

Rindorfin: Gnome, die in schlichten Hütten auf der Oberfläche der Berge leben und vor einigen Generationen einen Krieg gegen die Anagaren gewannen.

Surkitan: eine Art kleinwüchsiger Dunkelelfen, die den Rindorfin im Krieg gegen die Anagaren halfen.

Handlung: Tradir reist mit dem heiligen Schwert der Anagaren zu den Rindorfin, wo er als Surkitan freundlich empfangen wird.

Zu beachten ist, dass Rassenlisten, Weltenbeschreibungen usw. vorrangig dafür wichtig sind, dass sie die Handlungszusammenfassung entlasten.  Folgerichtig sollten sie auch vor der Handlung im Exposé stehen.

Sollte diese Entlastung nicht notwendig sein, kann es dennoch interessant sein, besonders schillernde Aspekte einer Geschichte nach der Handlung zu nennen.

Die Dreyk sind eine Rasse von Hybriden, die sich wie Cyborgs aus technischen und biologischen Teilen zusammensetzen. Dabei werden die biologischen Teile über geschlechtliche Fortpflanzung weitergegeben und die technischen durch selbstreplizierende technische Elemente, die stets mehrere Eltern besitzen, meist mehr als zwanzig. Dadurch ergeben sich familiäre Bindungen, die einerseits die biologischen Anteile umfassen und andererseits die technologischen, sodass jedes Individuum mit einer nahezu unüberschaubaren Anzahl an anderen Individuen verwandt ist. Die sich dadurch ergebenden Sozialstrukturen werden im Roman besonders beleuchtet.

Wenn man meint, solche Dinge erwähnen zu wollen, weil sie sich verkaufsfördernd auswirken, dann besser nach der Handlung.


Nächster Abschnitt: 6.2 Biographie

5 Normseite

5 Die Normseite

5.1 Verwendung

Im Literaturbusiness wird von denen, die längere Texte verfassen, erwartet, dass sie diese auf Normseiten einreichen.  Das hat zum einen Tradition, die bis weit in die Schreibmaschinenzeit zurückreicht.  Wer häufig fremde Texte lektoriert oder korrigiert (siehe 8 Überarbeiten), ist an dieses Format gewöhnt.  Zum anderen hat es auch handfeste praktische Gründe, dieses Format einzuhalten:

  • Bearbeitungskosten (Lektorat, Korrektorat) werden (oft) basierend auf der Anzahl der Normseiten kalkuliert.
    Bei nicht genormten Seiten kann pro Seite mehr oder weniger Text vorhanden sein, ein Roman von 500 Normseiten Länge hat bei einem anderen Seitenlayout vielleicht nur noch 320 Seiten Länge.  Der Bearbeitungsaufwand ist dadurch aber nicht geschrumpft.
  • An der Anzahl der Normseiten kann man erkennen, ob ein Werk schon allein aufgrund des Umfangs in ein Verlagsprogramm oder Genre passt.
    Ein Liebesroman von 850 Normseiten Länge wird es schwer haben.  Ebenso wird ein Verlag ein Buch mit 230 Normseiten Länge nicht in einer Reihe für epische Fantasy unterbringen.
  • Auf einer Normseite ist genügend Platz, um Kommentare unterzubringen.
    Das war vor allem früher relevant, als noch vorrangig auf Papier und mit dem Rotstift korrigiert und lektoriert wurde.  Doch auch heute, wo diese Arbeitsschritte meistens am Computer erfolgen, wird es schnell unübersichtlich, wenn sich pro Seite zu viele Kommentare tummeln.

Wofür wird die Normseite verwendet?  Das ergibt sich aus den oben genannten Zwecken:

  • Immer, wenn ein Lektorat und/oder Korrektorat erfolgen soll.
  • Immer, wenn etwas an seinem Umfang gemessen werden soll.

Wenn etwas einfach nur gut lesbar sein soll, kann man Normseiten verwenden, man muss aber nicht, und bei einigen Dingen sind sie eher unüblich.

5.1.1 Manuskript, Leseprobe, Exposé?

Ein Manuskript ist das Paradebeispiel für die Verwendung der Normseite.  Manuskripte werden immer in Normseiten formatiert.


Eine Leseprobe ist ein Auszug aus einem Manuskript, und in aller Regel wird diese demnach auch in Normseiten formatiert.  Allerdings wird eine Leseprobe selten auf ihre Länge hin bewertet, und wenn es um eine Bewerbung eines Werkes bei einem Verlag oder einer Agentur geht, erfährt sie in der Regel auch weder Korrektur noch Lektorat.  Dennoch dürften die typischen Empfänger (Verlagslektoren usw.) das Normseitenformat für diese Art Text so gewohnt sein, dass sie nichts anderes erwarten werden.


Ein Exposé (siehe 6.1 Das Exposé) hingegen ist Teil der Bewerbung des Werkes, nicht Teil des Werkes selbst.  Es muss nur gut lesbar sein, eine Formatierung als Normseiten ist bei ihm nicht notwendig.  Dasselbe gilt für jede Art von Anschreiben, für die Vita des Autors, für Figurenaufstellungen für Weltenbeschreibungen und ähnliche Erläuterungen zum Werk und für Pitches, Klappentexte oder Teaser.

Andererseits werden bei Exposés oft konkrete Längen gefordert (z. B. Inhaltsangabe auf nicht mehr als zwei Seiten), dann sind mit Seiten immer Normseiten gemeint.  Die Formatierung in Normseiten kann dann also wieder sinnvoll sein.


Im Zweifel sollte man sich immer fragen:  Erfüllt die Normseite hier einen der oben genannten Zwecke?  Wenn ja, dann sollte man sie verwenden.  Wenn nein, kann man auch anders (gefälliger) formatieren.  Wenn man sich unsicher ist, ist die Normseite aber nie verkehrt.


Nächster Abschnitt:  5.2 Normseitenformat, grundsätzlich